Nach fast 42 Jahren: Danke, Bodo!
Fast 42 Jahre im Dienst der Caritas, unzählige Begegnungen mit Kindern, Jugendlichen sowie Kolleginnen und Kollegen und ein Berufsleben, das von Fachlichkeit, Verlässlichkeit und vor allem Menschlichkeit geprägt war: Mit vielen persönlichen Worten und besonderen Überraschungen wurde Bodo Walter jetzt aus seinem aktiven Berufsleben in die Freizeitphase der Altersteilzeit verabschiedet.
Seinen Weg beim Caritasverband für die Region Heinsberg e. V. begann Bodo Walter bereits 1984 im damaligen Kinderdorf St. Josef. Als Erzieher und später Heilpädagoge und Gruppenleiter begleitete er über Jahrzehnte junge Menschen in der stationären Jugendhilfe. Dabei war seine Haltung immer klar: Jeder junge Mensch verdient eine Chance.
Einrichtungsleiterin Stefanie Gorné würdigte in ihrer Abschiedsrede nicht nur seine große fachliche Erfahrung, sondern insbesondere seine Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen, auch in schwierigen Situationen dranzubleiben und jungen Menschen Sicherheit und Orientierung zu geben.
Doch Bodo Walter prägte die Einrichtung weit über seine unmittelbare pädagogische Arbeit hinaus. Viele Jahre engagierte er sich als Vorsitzender der Mitarbeitervertretung für die Interessen der Mitarbeitenden. Zudem baute er das Qualitätsmanagement der Heimerziehung mit auf und entwickelte es als Qualitätsmanagementbeauftragter maßgeblich weiter.
„Wer mehr als 40 Jahre in einer Einrichtung arbeitet, erlebt nicht nur deren Geschichte – irgendwann wird man selbst ein Teil davon“, brachte Stefanie Gorné es auf den Punkt. „Du hast diese Geschichte aktiv mitgeschrieben.“
Dass bei einem solchen Abschied neben bewegenden Worten auch Humor nicht fehlen durfte, zeigte das Team der intensivpädagogischen Gruppe für Kinder. Mit einem ganz besonderen Liedbeitrag verabschiedete es seinen langjährigen Kollegen: Zu „Ich liebe das Leben“ von Vicky Leandros hieß es augenzwinkernd: „Sorge dich nicht … wir haben deine Listen.“
Für einen besonders persönlichen und zugleich humorvollen Moment sorgte Erziehungsleiterin Corinna Molsich mit der „Geschichte des Schals“.
Die Geschichte dieses ganz besonderen Caritas-Schals begann 2019 beim Mitarbeiterfest in Süsterseel. Eigentlich hing er dort nur als Dekoration im Festzelt – bis Bodo ihn beim Feiern entdeckte, ihn kurzerhand zum Tanzpartner machte und mit nach Hause nahm. Schon am nächsten Tag durfte der Schal Bodo mit zum Dienst in die intensivpädagogische Gruppe für Kinder begleiten.
Dort blieb er – und wurde über die Jahre zu einem echten Teil des Gruppenalltags: Spielzeug, Kuschelgegenstand, Verkleidung und manchmal sogar Wurfmaterial. Aus der Perspektive des Schals erzählte Corinna Molsich bei der Abschiedsfeier davon, was dieser in all den Jahren beobachten konnte: wie Bodo für die Kinder da war, Verantwortung übernahm, Ruhe bewahrte, wenn es turbulent wurde, und mit viel Herz und handwerklichem Geschick dazu beitrug, aus einer Wohngruppe ein Stück Zuhause zu machen.
Erst 2025 trennten sich ihre Wege – und das eher unfreiwillig. Beim Mitarbeiterfrühstück in Dalheim dachte Bodo zwar noch an die übrig gebliebenen Weckmänner und Leckereien für seine Gruppe, seinen Schal ließ er jedoch am Stuhl hängen. Corinna Molsich fand ihn beim Aufräumen und bewahrte ihn seitdem in ihrem Schrank auf – mit einem ganz bestimmten Plan: Bodo sollte ihn zu seiner Abschiedsfeier zurückbekommen.
Und genau das geschah nun. Allerdings nicht, ohne dass der Schal zuvor noch einen „offiziellen Antrag“ an den anwesenden Vorstand stellte: Nach seinen bisherigen Einsätzen als Dekoration, Tanzpartner, Kinderbespaßung, emotionale Stütze und gelegentliches Wurfobjekt wolle er nun bitte gemeinsam mit Bodo in den Ruhestand gehen. Gehaltsforderungen und Urlaubsansprüche werde er selbstverständlich nicht stellen.
Hinter all dem Humor steckte eine sehr persönliche Botschaft: Der Schal wurde zum Symbol für die vielen Jahre, in denen Bodo jungen Menschen nicht nur einen Platz zum Wohnen, sondern ein Stück Zuhause gegeben hat. Oder wie es in der Geschichte so schön hieß: „Ich habe dich gewärmt. Du hast andere gewärmt.“
Natürlich durfte Bodo seinen Schal deshalb wieder mitnehmen – als kleines Stück seiner Caritas-Geschichte und als Erinnerung an die Menschen, Kinder und vielen Erlebnisse, die ihn begleitet haben. Nur eines sollte künftig nicht mehr passieren: „Bodo, diesmal lässt du mich nicht wieder hängen!“
Lieber Bodo Walter, wir danken Ihnen für fast 42 Jahre Engagement, Verantwortung, Beharrlichkeit, Fachlichkeit und Menschlichkeit. Danke für all die Spuren, die Sie bei jungen Menschen, Kolleginnen und Kollegen und in unserem Verband hinterlassen haben.
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