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Teilhabe braucht Perspektivwechsel: Netzwerktreffen rückt unsichtbare Barrieren in den Fokus

Wie können Kommunen, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft gemeinsam dazu beitragen, Barrieren abzubauen und echte Teilhabe für alle Menschen zu ermöglichen? Mit dieser Frage beschäftigte sich das dritte Netzwerktreffen der Lokalen Teilhabekreise im Kreis Heinsberg, das am im Forum des Rathauses der Gemeinde Gangelt stattfand.

Eingeladen hatten die Lokalen Teilhabekreise im Kreis Heinsberg, die vom Trägerverbund aus Caritasverband, Lebenshilfe und Alexianern getragen werden, gemeinsam mit der Gemeinde Gangelt. Neben Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung nahmen die Moderatorinnen und Moderatoren der einzelnen Teilhabekreise sowie Delegierte aus den Kommunen des Kreises teil. Ziel des jährlichen Treffens ist es, aktuelle Herausforderungen der Inklusion aufzugreifen, Erfahrungen auszutauschen und konkrete Impulse für eine barrierefreie Gesellschaft zu entwickeln.

Zum Auftakt begrüßte Bürgermeister Guido Willems die Teilnehmenden und unterstrich die Bedeutung des kontinuierlichen Dialogs zwischen Betroffenen, kommunalen Entscheidungsträger*innen und Fachkräften. Anschließend wurde Bilanz über die im Vorjahr vereinbarten Ziele gezogen. Dabei zeigte sich, dass die Lokalen Teilhabekreise weiterhin wichtige Anregungen für die kommunale Entwicklung im Kreis Heinsberg liefern und konkrete Verbesserungen im Alltag von Menschen mit Behinderung anstoßen.

Ein besonderer Programmpunkt war der Beitrag des Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers, Beauftragter für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Er würdigte das Engagement der Lokalen Teilhabekreise und verwies auf den barrierefreien Spielplatz in Heinsberg-Lieck als gelungenes Beispiel für inklusive Stadt- und Gemeinwesenentwicklung. Darüber hinaus informierte er über aktuelle bundespolitische Vorhaben, darunter die geplante Reform der Werkstätten für Menschen mit Behinderung sowie Ansätze zur Verbesserung der Entlohnung von Beschäftigten in Werkstätten.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Netzwerktreffens stand das Leitthema „Unsichtbare Behinderungen und Barrieren“. Dabei wurde deutlich, dass Hindernisse für gesellschaftliche Teilhabe oftmals nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Besonders eindrucksvoll schilderte eine Teilnehmerin des Lokalen Teilhabekreises Wassenberg ihre persönlichen Erfahrungen als neurodivergenter Mensch. Anhand alltäglicher Situationen – etwa an Supermarktkassen – beschrieb sie, wie Zeitdruck, Reizüberflutung und mangelndes Verständnis im Umfeld zu erheblichen Belastungen führen können. Ihr Bericht machte deutlich, wie wichtig Sensibilisierung, Rücksichtnahme und gesellschaftliche Aufklärung im Umgang mit nicht sichtbaren Beeinträchtigungen sind.

Auch weitere Teilnehmende berichteten von Barrieren im Alltag. So wurde geschildert, dass Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, sich in engen Supermarktgängen häufig als Hindernis wahrgenommen fühlen. Darüber hinaus rückten die Auswirkungen der fortschreitenden Digitalisierung in den Blick. Werden Termine bei Behörden oder Arztpraxen ausschließlich digital vergeben, können Menschen ohne ausreichende digitale Kompetenzen oder technische Ausstattung von wichtigen Angeboten ausgeschlossen werden.

Durch die Veranstaltung führte Jessica Räde, Koordinatorin der Lokalen Teilhabekreise im Kreis Heinsberg. Sie stellte verschiedene praxisnahe Lösungsansätze vor, die dazu beitragen können, Barrieren im Alltag abzubauen. Dazu zählt unter anderem das Konzept der sogenannten „Plauderkasse“, das in einzelnen Supermärkten bereits erfolgreich umgesetzt wird. Durch eine bewusst ruhigere Atmosphäre, reduzierte Reize und mehr Zeit für Gespräche entstehen Einkaufssituationen, die insbesondere Menschen mit kognitiven Einschränkungen, neurodivergenten Personen oder älteren Menschen zugutekommen.

Wie öffentliche Verwaltung inklusiver gestaltet werden kann, zeigte die Stadt Wegberg in einem Impulsvortrag. Vorgestellt wurde das Projekt „Mittwoch plus“, bei dem Bürger*innen an jedem ersten Mittwoch im Monat ohne vorherige Terminvereinbarung ihre Anliegen im Rathaus vorbringen können. Ergänzend unterstützt ein Begleitservice bei der Orientierung innerhalb der Verwaltung und erleichtert den Zugang zu kommunalen Angeboten.

Zum Abschluss präsentierte Simon Jansen, Koordinator der Peer-Beratung der KoKoBe im Kreis Heinsberg, das Projekt „Barriere-Scout“. Im Rahmen dieses Ansatzes begleiten Menschen mit Behinderung sogenannte Begehungen öffentlicher Gebäude und Einrichtungen und bewerten diese aus ihrer eigenen Perspektive. Dadurch werden Barrieren sichtbar, die bei klassischen Prüfverfahren häufig unentdeckt bleiben. Eine erste Begehung im Kreishaus wurde bereits erfolgreich durchgeführt und lieferte wertvolle Hinweise für weitere Verbesserungen.

Das Netzwerktreffen machte erneut deutlich, dass gelingende Inklusion weit über den Abbau baulicher Hindernisse hinausgeht. Neben barrierefreien Gebäuden und Zugängen braucht es vor allem Verständnis für unterschiedliche Lebensrealitäten, eine inklusive Haltung in Gesellschaft und Verwaltung sowie die Bereitschaft, bestehende Strukturen immer wieder aus der Perspektive der Betroffenen zu hinterfragen. Die Lokalen Teilhabekreise leisten hierzu einen wichtigen Beitrag und schaffen Räume für Begegnung, Beteiligung und gemeinsame Lösungsentwicklung im Kreis Heinsberg.

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