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Ein zweites Leben für elektronische Geräte

Maria betritt das Reparatur-Café in Geilenkirchen mit einem kaputten, verstaubten Walkman aus ihrer Jugend in den 1980er-Jahren. Beim Aufräumen ist ihr das alte Kassettengerät in die Hände gefallen – zusammen mit den Kassetten, die Erinnerungen an diese Zeit wachrufen und die sie nur zu gern noch einmal hören möchte. Fast hätte sie den Walkman entsorgt.

Einer der zehn ehrenamtlichen Reparateure nimmt das alte Gerät behutsam in die Hand. Gemeinsam öffnen sie das Gehäuse. Staub wirbelt auf, ein Kabel ist gerissen. Maria hält den Atem an und erzählt der Freundin, die sie begleitet, von ihren damaligen Musikvorlieben. Sascha, einer der Reparateure, ersetzt das defekte Kabel vorsichtig und schließt das Gehäuse wieder. Maria legt eine mitgebrachte Kassette ein, setzt die Batterien ein, setzt sich die Kopfhörer auf, drückt „Play“ – und lächelt. Ihre Musik erfüllt erneut ihre Ohren.

Jeden zweiten Samstag im Monat öffnet seit Mai 2023 um 14 Uhr das Reparatur-Café im Bürgertreff Geilenkirchen seine Türen. Menschen aus Geilenkirchen und der Umgebung kommen mit defekten Alltagsgeräten: Staubsauger, die ihren Dienst versagen, Kaffeemaschinen, die den Kaffee nicht mehr heiß zubereiten, Lampen mit Wackelkontakt, Lockenstäbe ohne Hitze, elektrische Heckenscheren, die nicht mehr laufen – und vieles mehr. Seit Beginn des Cafés konnten über 70 elektrische Kleingeräte repariert werden. Nur ein kleiner Teil musste entsorgt werden, weil eine Reparatur nicht mehr möglich war.

An einem großen Tisch, ausgestattet mit Werkzeugen und Messgeräten, nehmen die ehrenamtlichen Reparateure die mitgebrachten Geräte in Augenschein. Gemeinsam mit den Besucher*innen gehen sie der Ursache des Defekts auf den Grund. Manchmal genügt eine Schraube, manchmal braucht es Geduld, Erfahrung und die gebündelte Fachkompetenz des gesamten Teams. Währenddessen gibt es Kaffee und oft auch ein Stück Kuchen. Es wird geredet, gelacht und einander geholfen. Viele stellen fest, dass Reparieren gar nicht so schwierig ist – und dass man Dinge nicht sofort wegwerfen muss.

Am Ende des Tages gehen Besucher*innen und Reparateure gleichermaßen stolz und zufrieden nach Hause. Das Reparatur-Café zeigt: Gemeinsam lässt sich viel retten – zum Schutz der Umwelt und des eigenen Portemonnaies.

Zum Start des Reparatur-Cafés im Jahr 2023 brachten die Reparateure ihre privaten Werkzeuge mit. Häufig fehlten jedoch spezielle Werkzeuge oder Messgeräte. Im Jahr 2025 konnte die Ausstattung des Reparatur-Cafés dank einer Landesförderung der „anstiftung“ deutlich erweitert werden – mit Werkzeugen, Messgeräten, Ersatzteilen und Verbrauchsmaterialien. Das Reparatur-Café Geilenkirchen wird getragen von der Caritas in Kooperation mit dem Bürgertreff Geilenkirchen e.V..


Reparieren statt Wegwerfen: Das Konzept der Reparatur-Cafés

In einer Zeit, in der Neukaufen oft einfacher erscheint als Reparieren, setzen Reparatur-Cafés ein deutliches Zeichen für Nachhaltigkeit und Gemeinschaft. Das Konzept wurde 2009 von Martine Postma in Amsterdam ins Leben gerufen und hat sich bis 2025 zu einer weltweiten Bewegung entwickelt.

Was passiert in einem Reparatur-Café?

Besucherinnen bringen defekte Gegenstände von zu Hause mit. Vor Ort unterstützen ehrenamtliche Expertinnen – etwa Elektriker – bei der Instandsetzung. Wichtig dabei ist das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: Die Besucher*innen reparieren unter Anleitung selbst, lernen ihre Geräte besser kennen und tauschen Wissen in entspannter Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen aus.

Warum sind Reparatur-Cafés 2025 so wichtig?

Umweltschutz:
Durch Reparaturen werden wertvolle Ressourcen geschont, CO₂-Emissionen aus der Neuproduktion vermieden und Müllberge deutlich reduziert.

Soziales Miteinander:
Reparatur-Cafés sind Treffpunkte für Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkunft und stärken so den sozialen Zusammenhalt.

Wissenstransfer:
Praktische Fähigkeiten, die in der Wegwerfgesellschaft zunehmend verloren gehen, werden bewahrt und weitergegeben.

Die Hilfe ist in der Regel kostenlos, Spenden zur Deckung der Fixkosten sind jedoch sehr willkommen.
Benötigte Ersatzteile müssen nach einer ersten Diagnose beschafft und von den Besitzer*innen finanziert werden.

Im Kreis Heinsberg gibt es weitere Reparatur-Cafés, unter anderem in Heinsberg-Dremmen, Erkelenz und Hückelhoven.

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