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Aktuelles

Feierliche Neueröffnung der Fachberatungsstelle und Wohnungslosenhilfe der Caritas in Geilenkirchen: Ein Kompass als Symbol für eine „Herzensangelegenheit“!

Die Stimmung bei der offiziellen Neueröffnung am Frankenruh in Geilenkirchen war von einer fröhlichen und positiven Stimmung geprägt. Und damit passte sie sehr gut zu den hellen und großzügigen Räumen der neuen Fachberatungsstelle sowie der angrenzenden Wohnungen. Gottfried Küppers, Vorstand des Caritasverbandes für die Region Heinsberg, begrüßte neben zahlreichen Gästen auch die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Geilenkirchen, Christina Hennen, im Innenhof der Anlage. Nach über vier Jahrzehnten im alten Gebäude war Erneuerung und Modernisierung dringend erforderlich. Darüber brachte Gottfried Küppers seine Freude und seinen Dank zum Ausdruck. Bei umfangreichen Planungen hat der Caritasverband "Treue zum Standort" bewiesen, hob Gottfried Küppers hervor. Er berichtete stolz von der Geschichte des Hauses. „Wir sind froh, dass wir in Ihrer Stadt Geilenkirchen mit unserer Einrichtung seit Jahrzehnten ein Zuhause haben und auf ein immer vertrauensvolles Miteinander zurückschauen können.“

Auch bei dem Leiter des Amtes für Soziales im Kreis Heinsberg, Andreas Louven, bedankte Gottfried Küppers sich ganz besonders: „Der Kreis unterstützt uns nach wie vor sehr im Bereich der Hilfen für wohnungslose Menschen, nicht nur finanziell, sondern auch aus fachlicher wie inhaltlicher Sicht.“ Dies gelte auch für den Landschaftsverband Rheinland. „Im Caritasrat wurden die Weichen gestellt für dieses Arbeitsfeld und für den Neubau der beiden Häuser. Die letzten Jahre, von der vagen Planung bis zur endgültigen Durchführung unserer Bauherrenträume waren ganz sicher nicht leicht. Aber heute sind wir glücklich und froh, dass wir so engagiert am Ball geblieben sind und uns auch nicht durch diverse Rückschläge von unserem Vorhaben haben abbringen lassen.“

Ein weiterer Dank galt denen, die den hilfesuchenden Menschen täglich beratend und unterstützend zur Seite stehen – auch in schwierigen Zeiten. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten während der Bauphase und dem Umzug keinen leichten Stand. Aber sie waren und sind wie immer der Garant*in für die tolle Arbeit. Ihre Arbeit ist entscheidend damit verbunden, den Ratsuchenden darin zu unterstützen, wieder Orientierung zu finden. Orientierung gibt auch ein Kompass. Ein solcher Kompass ist auch ein Symbol für unsere Einrichtung. Der Kompass wurde über die Jahrhunderte vom Matrosen und Militärs verwendet. Ohne ihn hätte so mancher auf See und zu Lande die Orientierung verloren. Da er gewissermaßen die Richtung vorgibt, symbolisierte er in diesem Zusammenhang immer so etwas wie Schutz und Sicherheit während einer Reise. Der Kompass kann aber auch als Symbol für die Suche nach dem eigenen Zuhause, also den Wunsch, anzukommen verdeutlichen. Der Kompass steht für Orientierung bei der Erreichung seiner persönlichen Ziele. Er steht für Kraft und Hoffnung in unruhigen Gewässern und auch Gottvertrauen. Und das passt wie wir finden, sehr gut zu uns,“ betonte Gottfried Küppers.

Besonders freute er sich auch darüber, dass viele Bewohner an den Feierlichkeiten teilnahmen. Zum Abschluss galt ein besonderer Dank Frank Wittke, der die Fachberatungsstellen und Wohnhilfen für wohnungslose Menschen beim Caritasverband Heinsberg leitet. „Er war und ist mit Engagement und seinen Ideen an allen Stationen der Planung, Ausführung und Ausstattung aktiv beteiligt. Das hier ist mehr als ‚nur‘ ein Gebäude; es ist eine Herzensangelegenheit von uns allen und stellt eine sichere Anlaufstelle für obdachlose und wohnungslose Menschen dar.“ Pfarrer Müller, seit vielen Jahren Mitglied im Caritasrat, segnete anschließend die neuen Räumlichkeiten ein. Für eine eindrucksvolle musikalische Untermalung sorgten Christine Leisten und Carlos Cachafeiro. Im Anschluss gab es noch die Möglichkeit, den Außenbereich zu genießen, sich auszutauschen oder an einer Führung durch die neuen Räumlichkeiten teilzunehmen.

Einige Tage zuvor fand der „Tag der Wohnungslosen“ deutschlandweit statt. Dieser Tag dient jährlich dazu, das Thema Wohnungslosigkeit zu fokussieren. In NRW gibt es aktuell rund 50.000 Wohnungslose. 2016 waren es noch 25.000 Wohnungslose gewesen. Im Kreis Heinsberg hat sich die Zahl der Wohnungslosen von im Jahr 2012 von 110 Menschen auf 515 im Jahr 2021 vervielfacht.

In einem eindringlichen Dialog erläuterten Gottfried Küppers und Frank Wittke die gegenwärtige Situation hier im Kreis Heinsberg. Frank Wittke verwies sorgenvoll darauf, dass durch die weltpolitische Situation sich die Wohnungsnot weiter verschärfe: „Für die Wohnungslosenhilfe ist es in dieser Situation, aus unserer Sicht, besonders wichtig unser Ursprungsklientel nicht aus den Augen zu verlieren. Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten – wie der Gesetzgeber es formuliert. Wir sind deshalb besonders froh, dass in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten im Kreis Heinsberg ein dezentralisiertes und gut vernetztes Hilfesystem für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen entstanden ist. Der Caritasverband Heinsberg trägt wesentliches zu diesem Hilfesystem bei.“

Frank Wittke verwies auch darauf, dass die hohe Anzahl wohnungsloser Menschen einen Hinweis darauf gibt, dass es an Wohnraum mangelt. Der fehlende Wohnraum lässt Wohnungslosigkeit als ausweglose Situation erscheinen. Manche wohnungslosen Menschen verlieren die Zuversicht, die Situation überwinden zu können. Der fehlende Wohnraum führt aber auch dazu, dass die Mieten steigen. Selbst Haushalte mit mittleren Einkünften haben Schwierigkeiten, eine bezahlbare menschenwürdige Wohnung zu finden. Im Zusammenhang mit den steigenden Mieten steigen auch die Mietbelastungsquoten der Haushalte. Immer größere Anteile der Einkommen müssen für die Mieten aufgebracht werden. „Das Ziel der Bundesregierung ist ambitioniert: Bis 2030 will die Bundesregierung Wohnungslosigkeit ‚überwinden‘. Kein Mensch mehr, der auf der Straße leben muss, niemand in Not- und Gemeinschaftsunterkünften? In den vergangenen Jahren ging der Trend eher in die andere Richtung,“ erläutert Frank Wittke.
Eine Begleiterscheinung von Wohnungslosigkeit ist oftmals vollständige Einsamkeit. Aber: Eine wichtige und zentrale Erfahrung ist - Hilfe ist möglich! Frank Wittke dazu: „Unsere Klienten kehren in ein von Hilfen unabhängiges Leben zurück. Arbeiten wieder in ihrem erlernten Beruf. Absolvieren eine Ausbildung. In den vergangenen Jahren haben 2 unserer Bewohner z.B. eine 3-jährige Ausbildung zum examinierten Altenpfleger abgeschlossen.“

Mit dem neu eröffneten Standort seien, so Gottfried Küppers, hervorragende Voraussetzungen für die Arbeit der Fachberatungsstelle und der Wohnungslosenhilfe geschaffen worden: „Es ist uns gelungen, unsere Erfahrungen der letzten Jahre und Jahrzehnte und unser Verständnis von der Hilfe für wohnungslose Menschen in ein Gebäude zu übersetzen. Dieses Haus ist im praktischen Sinne barrierefrei aber auch im übertragenen Sinn. Als Aufnahmeeinrichtung die Menschen in Not ohne Vorbedingungen aufnimmt, können wir unseren Klienten einen ‚barrierefreien‘ Übergang in die jeweils angezeigte Hilfeform bieten. Von einem Mitarbeiterteam und übergangslos unter einem Dach.“
Infobox:

Die Fachberatungsstelle in Geilenkirchen mit Nebenstellen in Heinsberg, Erkelenz und Wegberg bietet qualifizierte ambulante Fachberatung für Frauen und Männer mit einer offenen Sprechstunde von 50 Stunden pro Woche am Standort in Geilenkirchen sowie dezentral im gesamten Kreisgebiet durch die erwähnten Nebenstellen. Für Klienten des Fachdienstes können zusätzlich qualifizierte Schuldner- und Insolvenzberatung angeboten werden. Akut wohnungslose Männer finden in der Übernachtungs-Clearing-Stelle in Geilenkirchen an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden täglich, eine Unterkunft und eine Übernachtungsmöglichkeit. Die vier Clearings-Stellen können so lange genutzt werden bis eine Anschlussunterbringung geregelt ist. Das teilstationäre Wohnen für Männer wird in Geilenkirchen mit 20 Plätzen und in Erkelenz mit 4 Plätzen angeboten. Dieses Angebot steht individuell den wohnungslosen Männern zur Verfügung bis der Hilfebedarf nicht mehr besteht.

Bildunterschrift 1: Gottfried Küppers (Vorstand, links) und Frank Wittke (Einrichtungsleiter, rechts) freuten sich über die gelungene Eröffnungsfeier der Fachberatungsstelle und Wohnungslosenhilfe in Geilenkirchen.
Bildunterschrift 2: Der Eingangsbereich der Fachberatungsstelle Geilenkirchen.
Bildunterschrift 3: Der modernisierte Altbau mit dem Neubau am Frankenruh in Geilenkirchen.