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Aktuelles

Das Sozialpsychiatrische Zentrum für den Kreis Heinsberg – breitgefächerte vielfältige Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen!

Geboren mit der Idee, so viele sozialpsychiatrische Angebote wie möglich unter einem Dach zu vernetzen, eröffnete der Caritasverband Heinsberg Anfang des Jahres das Sozialpsychiatrische Zentrum im Kreis Heinsberg an einem neuen Standort in Heinsberg - die passenden Räumlichkeiten fand man in der Rudolf-Diesel-Straße 9.

Die Tagesstruktur, die Tagesstätte mit den tagesstrukturierenden Maßnahmen und die Kontakt- und Beratungsstelle Heinsberg wurden so durch kurze Wege miteinander vernetzt.
Inzwischen ist das Sozialpsychiatrische Zentrum ein fest integrierter und gut besuchter Anlaufpunkt für Menschen mit psychischen Problemen geworden. In einem Gespräch schildert die Leiterin Astrid Werny, warum ein Sozialpsychiatrisches Zentrum ein wichtiger Schritt war und welche Möglichkeiten es für Menschen mit psychischen Erkrankungen angeboten werden.

Frau Werny, was genau versteht man unter einem sozialpsychiatrischen Zentrum?
Astrid Werny: „Das SPZ ist schon lange in Trägerschaft des Caritasverbandes, jedoch verteilt an verschiedenen Standorten in der Region. Auch jetzt gibt es noch Standorte in anderen Ortschaften, beispielsweise Erkelenz oder Übach-Palenberg. In Heinsberg haben wir aber seit Anfang des Jahres einige Einrichtungen unter einem Dach vereint. Dort findet man jetzt die ambulante Tagesstruktur, die Tagesstätte sowie die Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen.“

Wieso ist die Idee einer gemeinsamen Anlaufstelle so wichtig?
Astrid Werny: „Uns war enorm wichtig, unseren Klientinnen und Klienten bestmögliche Angebote an einem Standort bieten zu können und so mehr Vernetzungsmöglichkeiten und vielfältige Kontaktmöglichkeit für die betroffenen Menschen zu schaffen.“

So ist dann den Menschen möglich, sich beispielsweise bei der Kontakt- und Beratungsstelle beraten zu lassen und vielleicht dann auch die Angebote der Tagesstruktur kennenzulernen?
Astrid Werny: „Richtig, die Angebote sind vor Ort vielfältiger und die Klientinnen und Klienten können so leichter entscheiden, welches das richtige für sie ist."

Was gibt es neben den beiden genannten Angeboten denn noch zu entdecken im SPZ?
Astrid Werny: „Die Genesungsbegleiterin ist ein weiteres wichtiges Angebot im SPZ, welches sehr gut genutzt wird. Auch das kann vor Ort sowie in den anderen Standorten des SPZ unkompliziert auf „kurzem“ Weg in Anspruch genommen werden. Genesungsbegleiter*innen sind Menschen, die selbst eine psychische Erkrankung hatten oder haben, und vor diesem Hintergrund Menschen mit einer psychischen Erkrankung bei ihrem Genesungsprozess unterstützen. Darauf werden sie in speziellen Fortbildungen vorbereitet. Voraussetzung ist die eigene angemessene psychische Stabilität.“

Wenn Sie rückblickend die ersten 8 Monate betrachten. Gibt es Unterschiede zwischen dem gemeinsamen Angebot SPZ und den beiden Einrichtungen vorher an den einzelnen Standorten?
Astrid Werny: „Selbstverständlich gibt es Unterschiede zu den anderen Standorten. Neben den verbesserten Räumlichkeiten, ist der größte Unterschied, dass sowohl Klientinnen und Klienten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuerst einmal zusammenwachsen müssen. Es ist natürlich noch ein weiter Weg dahin, aber hier und da ist es schon sehr gut zu erkennen. Im letzten Monat hatten wir beispielsweise ein Sommerfest im SPZ und das Miteinander der jeweiligen Klientinnen und Klienten der beiden Einrichtungen war wirklich toll. Man tauscht sich aus, knüpft Kontakte. Über gemeinsame Aktionen lernen die Klientinnen und Klienten die Unterschiede in den Angeboten kennen, können Erfahrungen austauschen und für sich entscheiden, ob sie andere Angebote in Anspruch nehmen wollen. Hier kann ein  Peer-Support eine wichtige Entscheidungshilfe sein."

Was ist denn die gravierendste Veränderung aufgrund des neuen Standortes Ihrer Meinung nach?
Astrid Werny: „Die neuen Räumlichkeiten sind komplett barrierefrei, was am alten Standort der Tagesstruktur leider nicht gegeben war. Da haben wir eine enorme Verbesserung für alle Klientinnen und Klienten geschaffen. Am neuen Standort haben wir eine moderne Großküche eingerichtet, wodurch wir ein äußerst attraktives und sinnstiftendes Angebot für die Klientinnen und Klienten der Tagesstruktur anbieten können. Gemeinsam mit unserer Köchin ist man für das Catering verschiedenster Veranstaltungen im anliegenden Schulungszentrum des Caritasverbandes zuständig.“

Neben dem gemeinsamen Standort gibt es in der Region noch weitere Einrichtungen, die zum SPZ gehören. Was sind das für Angebote?
Astrid Werny: „In Übach-Palenberg gibt es eine weitere Kontakt- und Beratungsstelle, wie auch in Erkelenz. Ein Highlight ist natürlich das Knopfloch, ein Angebot der Kontakt- und Beratungsstelle Erkelenz. Das Knopfloch ist ein Second-Hand-Laden mit einem dazugehörigen Fundus, eine Art Annahmestelle für Kleiderspenden. In diesen beiden Bereichen bieten wir äußerst attraktive Möglichkeiten für ehrenamtliche Tätigkeiten oder Mitarbeit im Rahmen von tagesstrukturierenden Maßnahmen für unsere Klientinnen und Klienten. Man kann also entweder Kleider im Fundus aufbereiten oder diese im Knopfloch verkaufen und natürlich der Kundschaft beratend zur Seite stehen.“

Nebenbei sollte man auch erwähnen, dass das auch ein tolles Kaufangebot in der Erkelenzer Innenstadt für die Menschen ist oder?
Astrid Werny: „Absolut. Seit Ende letzten Jahres sind wir mit einem wunderschönen großen Laden zentral am Johannismarkt zu finden. Der neue Standort wird extrem gut angenommen, wir erleben einen erheblichen Zuwachs an Kundinnen und Kunden. Unser Team vom Knopfloch erfährt durch die Arbeit im Laden und im Fundus Wertschätzung und Respekt seitens der Kundschaft und das Miteinander und die Kollegialität untereinander.  Das ist eine tolle Sache, wie ich finde. Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit bei den vielen Menschen bedanken, die ihre Kleidung bei uns abgeben und somit erst überhaupt dieses Konzept möglich machen. Der Kreislauf im Sinne von Nachhaltigkeit haben wir mit dem Knopfloch übrigens auch perfekt umgesetzt.“

Die Nähwerkstatt ist – wie Knopfloch und Fundus – auch ein Angebot der Kontakt- und Beratungsstelle Erkelenz. Was ist hier das Besondere?
Astrid Werny: „In der Nähwerkstatt treffen sich Frauen verschiedener Nationalitäten zum gemeinsamen Nähen. Hier werden oft Sprachbarrieren durch das gemeinsame Nähen ohne Sprache überwunden. So entstehen aus Altmaterialien sehr schöne neue Taschen, Kissen, Decken und vieles mehr. Auch hier ist uns Nachhaltigkeit sehr wichtig. Aus den Anfangsbuchstaben der Namen der Teilnehmerinnen ist auch das eigene Label „B.E.G.A.B.T“ entstanden. Susanna Jochims ist der kreative Kopf der Nähwerkstatt und steckt sehr viel Engagement und Herzblut in dieses Projekt. Natürlich gibt es diese tollen Produkte auch für kleines Geld zu erwerben. Die Nähwerkstatt ist ein geschlossenes Bildungsangebot des katholischen Forums Mönchengladbach in Kooperation mit dem Caritasverband Heinsberg.“

Ein weiterer Dienst ist der Integrationsfachdienst in Heinsberg. Können Sie uns kurz etwas darüber erzählen?
Astrid Werny: „Der Integrationsfachdienst – kurz IFD – ist ein Angebot für Menschen mit einem Schwerbehindertenstatus am Arbeitsplatz sowie auch für Arbeitgeber von Menschen mit Behinderungen. Wir beraten, vermitteln und unterstützen bei Schwierigkeiten zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Auch bei Schwierigkeiten mit Kolleginnen und Kollegen stehen wir unseren Klientinnen und Klienten zur Seite. Oft geht es um Arbeitsplatzsicherung, Versetzungen, Kündigungen oder sonstiges. Menschen mit Behinderungen, die noch keinen Schwerbehindertenstatuts haben, können sich beim IFD informieren und beraten lassen. Auch für Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen ist der IFD sehr aktiv. Wir unterstützen bei der Suche nach einem Praktikum, einem Ausbildungsplatz oder bei der Jobsuche.“

Das ambulant Betreute Wohnen rundet die Angebotspalette des Sozialpsychiatrischen Zentrum ab.
Astrid Werny: „Ja, genau. Das ambulant betreute Wohnen ist ein weiterer großer Baustein. Dort finden Menschen mit einer psychischen Erkrankung und/oder einer Suchterkrankung Unterstützung im Alltag. Diese Menschen werden von uns in ihrem eigenen Zuhause betreut und unterstützt, sei es bei der Gestaltung des Alltages, bei Terminen bei Behörden oder Ärzten, bei Einkäufen aber auch bei der Haushaltsführung usw. Hier steht ein Verbleib in der eigenen Wohnung im Vordergrund. Ganz wichtig sind hierbei natürlich die vielen Gespräche bei Problemen und Ängsten sowie die Bewältigung von Krisensituationen.“

Info: Alle Angebote des Sozialpsychiatrischen Zentrums sind Maßnahmen, die zur sozialen Teilhabe gehören. Sie sind entweder kostenlos oder werden in der Regel vom Landschaftsverband finanziert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informieren Sie gerne über die vielen Angebote und Möglichkeiten für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Weitere Informationen finden Sie unter www.caritas-heinsberg.de

Bildunterschrift (v, l. n. r.): Stefan Buss, Köchin Marion Zander, Leiterin Astrid Werny, Toma Dumitrescu und Christina Jessen freuen sich über die neue Küche im SPZ.