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Aktuelles

14. Hückelhovener Suchtforum zum Thema Cannabis-Legalisierung – Kinder und Jugendliche schützen

Die geplante Legalisierung von Cannabis ist mit unterschiedlichen Bedenken und Gefühlen verbunden. Dies wurde deutlich beim 14. Hückelhovener Suchtforum im evangelischen Gemeindezentrum in Hückelhoven unter der Fragestellung „Was kommt denn da auf uns zu?“. Sicher beantwortet konnte diese nicht, denn zu viel ist noch unklar, da die Veröffentlichung des Gesetzesentwurfs seitens der Bundesregierung für November geplant ist. Doch für die Teilnehmer der abschließenden Podiumsdiskussion war bereits jetzt wichtig zu betonen, dass in Zukunft der Jugendschutz verbessert werden muss und eine große Rolle eine effektive Prävention spielen sollte, sei es durch eine Bildungspolitik, die den Umgang mit Substanzen einbezieht, durch Eltern, die Vorbilder sind, sowie durch alternative Freizeitprogramme.

Rund 85 Teilnehmer, unter anderem Vertreter aus der Jugendhilfe der Suchthilfe, der Eingliederungshilfe und der Psychiatrie, hatten sich zu dem Suchtforum, veranstaltet von der Beratungsstelle für Suchtfragen in Trägerschaft des Caritasverbandes für die Region Heinsberg e.V. in Kooperation mit dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Jülich angemeldet, um sich über die möglichen Konsequenzen der geplanten Legalisierung, die im Koalitionsvertrag am 24. November 2021, festgelegt wurde, zu informieren. „Die Legalisierung wird einen unmittelbaren Einfluss auf Ihre Arbeit der Suchtberatungsstelle haben“, hatte schon Stellvertretende Bürgermeisterin Andrea Axer in ihrem Grußwort verdeutlicht und sprach damit aus, was bei Marlies Trapp, Leiterin der Beratungsstelle bereits in ihrer Einleitung angeklungen war. „Die geplante Cannabisabgabe löst in uns unterschiedliche Gefühle aus.“

Wie unsicher die Zukunft ist, was die Frage des erlaubten Cannabiskonsum angeht, dies wurde mit dem anschaulichen Vortrag „Cannabis!! Ja, nein, vielleicht…?“ von Torsten Grigoleit. Leitender Oberarzt, Abteilung Abhängigkeitserkrankungen, LVR-Klinik Langenfeld, deutlich. Zunächst erläuterte er, dass Cannabis bei manchen Menschen stimulierend oder dämpfend wirkt, bei wenigen halluzinogen. Cannabis kann zur Stimmungssteigerung bis hin zur Euphorie, Wahrnehmungsveränderungen und nicht wie es oft heißt Wahrnehmungserweiterung, einem Gefühl erhöhter Einsicht und Bedeutung, einer Beeinträchtigung von Denken, Lernen und Gedächtnis, Reduktion von Konzentration und Aufmerksamkeit, Derealisation und Depersonalisation, Angst-Panik-Dysphorie und Paranoia führen. Er unterschied bei Cannabis als Droge den hedonistischen Konsum, rein aus Spaß, ohne körperliche, psychische Probleme und Abhängigkeit (rund 5 Millionen Konsumenten) vom riskanten Konsum, schädlichem Konsum mit psychische und körperlichen Folgestörungen (50000 Konsumenten) und der Abhängigkeit und ihren Folgen (50000 Konsumenten). Dabei betonte Grigoleit noch, dass Frauen leichter süchtig werden können als Männer. Gleichzeitig sprach er Cannabis als Medikament keine wissenschaftliche gesicherte Wirkung zu. Als Fakten führte Torsten Grigoleit unter anderem noch Folgendes auf: 70 Prozent der in der EU konsumierten und gehandelten illegalisierten Substanzen sind Cannabinoide. Das Vorherrschen für Cannabiskonsum ist in diversen europäischen Ländern in den letzten 20 Jahren gestiegen. Es gibt Hinweise, dass bei Cannabiskonsum im Jugendalter ein kausaler Zusammenhang mit dem Auftreten von Psychosen (Schizophrenie) besteht. Der Referent stellte vor allem heraus, dass ein Cannabiskonsum den fein gesteuerte Umbauprozess der Bildung, Reifung und Wanderung von Nervenzellen im Gehirn während der Pubertät stört. Unter Cannabis kann es zu Identitätsdifferenzen statt Identität und Isolation statt Intimität und Solidarität kommen. Es gibt Hinweise auf anhaltende neurokognitive Defizite bei frühem Beginn des Konsums. Aber Torsten Grigoleit unterstrich im Risikovergleich mit Alkohol auch, dass es unter Cannabis so gut wie keine Todesfälle gibt. Und schließlich sagte er noch, dass die Kriminalisierung von Cannabiskonsum alle Hilfemaßnahmen behindert.

Dies sah Referentin Philine Edbauer, Regionalwissenschaftlerin der Humbold Universität Berlin und Mitglied im Schildower Kreis, Befürworterin der Legalisierung, genauso. In ihrem Vortrag, der viele verschiedene Aspekte beleuchtete, stellte sie klar heraus, dass das System der Prohibition die Interessen aller verfehlt. Punkte wie Entkriminalisierung, die Regulierung der Märkte kamen zur Sprache ebenso wie soziale Gerechtigkeit. Besonders unterstrich sie, was eine gute Cannabispolitik ausmacht und nannte dabei den Schutz und die Förderung der Menschenrechte und öffentlichen Gesundheit, regulierte Lieferketten, Preisbindungen und vor allem den Jugendschutz. Sie informierte die Teilnehmer, dass in Deutschland die Altersgrenze für den Handel bei 18 Jahren liegen soll. Zudem betonte sie, dass der Umgang mit Drogen erlernt werden sollte und junge Menschen vor Drogenkonsum zu schützen sind. Es waren die Punkte, die in der anschließenden Podiumsdiskussion, bei der noch Kriminalkommissar Jürgen Heitzer als Vertreter der Kreispolizeibehörde hinzukam, eifrig diskutiert wurden.

Info
Die Vorträge des 14. Hückelhovener Suchtforums können auf der Homepage der Beratungsstelle für Suchtfragen unter www.caritas-heinsberg.de/gefaehrdete-behinderte-menschen/beratungsstelle-fuer-suchtfragen/ als PDF abgerufen werden.

BU: Sie setzten sich mit der Legalisierung von Cannabis auseinander: Kriminalkommissar Jürgen Heitzer, Referentin Philine Edbauer, Referent Torsten Grigoleit, Stellvertretende Bürgermeisterin Andrea Axer und Marlies Trapp, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen (v. l.).