Caritas-Highlight der Woche

Vor 40 Jahren begann eine Erfolgsgeschichte

Die „fahrenden Caritas-Schwestern“ legten den Grundstein für den heute größten Pflegedienst in der Region!

Mehr als eine halbe Million Einsätze im Jahr bei über 2000 Kunden. Über 440 Mitarbeiter der sechs Pflegestationen in Erkelenz, Geilenkirchen, Heinsberg, Hückelhoven, Wassenberg und Wegberg sind tagtäglich im Einsatz für das Wohl von pflegebedürftigen Menschen. Das sind aktuelle Zahlen des Caritasverbandes für die Region Heinsberg e.V. im Bereich „Gesundheit & Pflege“. In vier Jahrzehnten entwickelte sich der Name „Caritas“ zu einer Marke im ambulanten Bereich, die für Menschlichkeit, Zuverlässigkeit, Seriosität und fachlich hochqualifizierte Mitarbeiter steht.

Eine erstaunliche Entwicklung, begann doch im Jahr 1978 alles mit einer Handvoll Patienten und vier Mitarbeitern. Die Erinnerungen an die Anfänge sind noch gegenwärtig, gerade von den Mitarbeiterinnen wie Maria Dahlmanns, Sophie Caspers und Magda Gromotka, die von der ersten Stunde an dabei waren, und sich heute im Ruhestand befinden. Gemeinsam mit den Leitungen der Pflegestationen erinnern sie sich an den Beginn der Geschichte der Caritas-Pflegestationen. Diese Geschichte begann im Oktober 1978 mit Gründung der ersten Pflegestation in Geilenkirchen, damals mit den besagten vier Mitarbeiterinnen. Die Station ging aus der Gemeindekrankenpflege hervor. Knapp ein Jahr später kam die Pflegestation in Erkelenz hinzu. Auch hier waren zuvor Ordensschwestern karitativ tätig. Im Dezember 1979 wurde die CPS Wegberg eingeweiht. In Wassenberg leisteten noch bis ins Jahr 1991 Ordensschwestern die häusliche Krankenpflege. Nach ihrem Weggang übernahm die Propstei St. Georg die Trägerschaft, die dann im Jahr 1995 in den Caritasverband für die Region Heinsberg wechselte. Damals waren alle Pflegestationen kleine intuitiv geführte Einrichtungen mit wenigen Mitarbeitern.

Diese Anfangszeit war von einer gewissen Unbeschwertheit geprägt. Denn „Geld spielte keine Rolle“, erinnert sich Gabi Hanschmann, Stellvertretende Leiterin der CPS Hückelhoven. „Wir sind zu den Patienten gefahren und haben gefragt, was sie dazu bezahlen können.“ Medizinische Leistungen wurden einzeln über die Krankenkasse beglichen. Alles andere wurde durch Kirchenmittel und dem, was die Patienten bezahlen konnten, finanziert. Unbeschwert war die Zeit damals auch gewesen, weil man fast der einzige Anbieter im Kreis war, man Zeit für die Patienten hatte. „Da wurde schon mal zusammen Kaffee getrunken. Oder wir hängten Gardinen ab“, erklärt Sophie Caspers schmunzelnd. Man sei mitten in den Familien gewesen, so Magda Gromotka. „Wir waren sozusagen Kind im Haus.“ Das Anspruchsdenken der Patienten sei damals ein anderes gewesen, erklärt Gabriele Craß, Leiterin der CPS Wassenberg. „Ob man nun um zehn oder 14 Uhr kam, den Patienten war das egal.“ Dass die Pflegestationen auch Krankenbetten verliehen, wissen heute nur noch die älteren Mitarbeiterinnen. Damals gab es auch keinen Spät- und Wochenenddienst sowie Einsatz an Feiertagen. „Aufgrund der damaligen Familienkonstellationen übernahmen das die Angehörigen“, weiß Magda Gromotka. Auch Leistungsnachweise kannten die Mitarbeiter nicht. Karteikarten wurden selber erstellt. Kaum noch vorstellbar in der heutigen Zeit von Dokumentationen und digitalen Medien.

Mit Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 kam langsam aber stetig der Wandel. Zunächst gab es nur eine Pflegestufe mit 450 Mark für jeden Pflegebedürftigen. Jeder Einsatz kostete 25 Mark, ganz egal wie lange die Pflege bei dem Patienten dauerte. Anfangs waren der bürokratische Aufwand und die Dokumentationen noch überschaubar. Dies änderte sich aber zunehmend mit der Einführung der drei Pflegestufen und später nochmals mit den fünf Pflegegraden. Dokumentationen wurden verpflichtend. Besonders die Aufführung der einzelnen Pflegeleistungen ist ein enormer Aufwand. „Dies unterschied sich sehr zu den Anfängen, wo wir gar nichts dokumentieren mussten. Da wurde noch das ein oder andere Hausmittel angewandt“, weiß noch Gabriele Craß. Heute gehe alles nur nach ärztlicher Verordnung. Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, das veränderte bzw. höhere Anspruchsdenken der Patienten und Angehörigen, obwohl es im Vergleich zu früher noch nie so viel Geld für die Pflege gegeben hat, und die Zunahme der Qualitätsansprüche seitens der Kostenträger sind weitere Merkmale des Wandels. Heute stehen immer mehr die Kosten im Vordergrund, Maßnahmen müssen begründet, Berichte verfasst werden. „Jede einzelne Pflegestation ist so zu einem einzelnen hochprofessionellen Unternehmen geworden, das sich selbstständig am Markt behaupten muss“, weiß Gabi Hanschmann. Kostendeckend zu arbeiten werde immer schwieriger. Diese Entwicklung gehe weiter. Dokumentationen würden sicherlich nicht weniger. Wünschenswert sei jedoch, dass die Bürokratie vereinfacht wird, damit Raum und Zeit für die Menschen bleibt, um die es gehe – die Patienten und Angehörigen.

Allen Problemen die Stirn bietend nahm man die Veränderung als Herausforderung an und das mehr als erfolgreich. Die „Caritas-Familie“ vergrößerte sich stetig, ein Hausnotrufdienst wurde gegründet und die Ambulante Palliativpflege kam hinzu. Die einzelnen Stationen wurden immer größer, neue Räumlichkeiten mussten bezogen werden. Wie in der Gegenwart haben die Mitarbeiter in all den Jahren immer wieder versucht, durch damals teilweise noch innovative Projekte die Situation von hilfebedürftigen Menschen zu verbessern. Viel von dem gehört heute zum festen Bestandteil der Caritas-Leistungsangebote wie das Essen auf Rädern, die Alltagsbetreuung und die Unterstützung im hauswirtschaftlichen Bereich, die Schulung von pflegenden Angehörigen, die Beratungsstellen mit kostenloser Unterstützung bei allen Fragen und Problemen beim Thema Pflege und Pflegefinanzierung, das Café Vergissmeinnicht an verschiedenen Standorten sowie Wohngemeinschaften für Senioren und natürlich das Ambulant Betreute Wohnen. Seit 2017 ist ein neues Projekt dazugekommen: PAKT, das Alltagstraining für Senioren findet großen Anklang.

In diesem Jahr gab es dann einen ganz neuen Weg für den Caritasverband. Mit Übernahme der Trägerschaft des Alten- und Pflegeheimes St. Josef in Übach-Palenberg ist man nach 40 Jahren zum ersten Mal im Bereich der stationären und teilstationären Pflege tätig. Das Alten- und Pflegeheim verfügt über 88 stationäre Plätze und zwölf Plätze in der Tagespflege. Mit der Übernahme hat der Verband weitere 150 qualifizierte Mitarbeiter gewinnen können. Für die Zukunft sei man gut aufgestellt ist man beim Caritasverband überzeugt, allerdings möchte man noch mehr die Beziehungspflege in den Vordergrund stellen und vermehrt in die eigene Ausbildung von Pflegekräften investieren, um dem Pflegenotstand entgegen zu wirken und die Fachlichkeit der Mitarbeiter sicherzustellen. Wichtigstes Ziel ist die Zufriedenheit der Kunden und der Mitarbeiter, deren Belastung sich unbedingt in den nächsten Jahren reduzieren soll. Denn die Mitarbeiter sind das wichtigste Gut des Verbandes. Weiterhin werde man für gesellschaftliche und politische Anerkennung des Pflegeberufes kämpfen.