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Verbund „Starke Partner – Pflegenetz im Kreis Heinsberg“ verlieh das Goldene Pflegeherz zum fünften Mal an pflegende Angehörige sowie Mitarbeiter

Zu den prominenten Vertretern zählten Ordensschwester Liliane Juchli und Dr. Eckart von Hirschhausen

Die einzelnen Schicksale bewegten und berührten, von denen die Gäste bei der fünften Verleihung des Goldenen Pflegeherzens, zu dem der Verbund Starke Partner – Pflegenetz im Kreis Heinsberg“ in der evangelischen Christuskirche in Heinsberg, eingeladen hatte, erfuhren. Es waren die Laudatoren – enge Angehörige, Kollegen und zu Pflegende – die das aufopfernde Tun der zu Ehrenden, darunter pflegende Angehörige und Mitarbeiter der Pflege, beleuchteten, das nun durch die Auszeichnung eine gesellschaftliche Anerkennung und Würdigung erfahren sollte.

Zu den zu Ehrenden zählten als prominente Vertreter die Schweizer Kranken- und Ordensschwester Liliane Juchli, vielen bekannt auch durch das Pflege-Lehrbuch „der Juchli,“ sowie der Kabarettist und Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen, der nicht persönlich anwesend sein konnte. Er hatte das Pflegeherz, eine Auszeichnung in Form einer vergoldeten Anstecknadel, bereits am 29. Oktober während seines Programms „Endlich!“ im Tanzbrunnen Köln verliehen bekommen.

Bereits im Gottesdienst, den Propst Markus Bruns und Pfarrer Sebastian Walde zelebrierten, hatte Walde in der Predigt deutlich gemacht, dass alle jene, die heute gehrt würden, nicht an der Not, die ihnen begegne, vorüber gehen würden, sondern ihre Liebe, Mühe und Kraft teilen würden. „Die Not zu unseren Füßen ist keine auferlegte Last, sondern wir spüren so, dass Gott nah ist.“ Eigentlich sei alles mit der Predigt gesagt, stellte Gottfried Küppers, Vorsitzender des Verbundes, fest. In einer immer älter werdenden Gesellschaft, wegbrechenden Familienstrukturen, Pflegefachkräftemangel, generalisierter Ausbildung sei es wichtig, dass die Pflege eine noch höhere Wertschätzung erfahre. Pflegende Angehörige und Mitarbeiter der Pflege würden eine verantwortungsvolle und nervenaufreibende Arbeit leisten, die oft im Stillen geschehe. Ihr Engagement verdiene eine breite gesellschaftliche Wertschätzung und Anerkennung, denn diese komme zu kurz, so Küppers. Deshalb würden heute einige wenige aus dem Kreis Heinsberg stellvertretend für viele Pflegende ausgezeichnet. „Sie haben eine Leuchtturmfunktion.“

Auch Josef Aretz, Vorsitzender des Arbeitskreis Marketing der Starken Partner, unterstrich, dass es heute um Anerkennung, Wertschätzung und Würdigung der so menschlichen Dienstleistung der Pflege gehe, damit auch weiterhin diese schwere Arbeit bewältigt werden könne. Damit richtete er das Augenmerk auf die zu Ehrenden und ihre Laudatoren. Petra Thomas-Wolters würdigte ihren Mann Heinz-Leo Heinrichs, der unter anderen seine an Krebs erkrankte erste Frau 14 Jahre pflegte, sich aufopferungsvoll um seine an Demenz erkrankte Mutter kümmerte sowie sich ehrenamtlich in der Tagespflege engagiert und mit den Gästen Bastelarbeiten anfertigt. Jürgen Köllmann stellte Nihal Bitim heraus, die seit der Geburt ihres Sohnes im Jahr 2015 sich auch um ihren Mann, der nach einem Badeunfall vollständig gelähmt ist und nur den Kopf bewegen kann, kümmert und ihn pflegt. Elisabeth Djath ehrte Altenpflegerin Anita Grams, die seit 31 Jahren in den Altenpflege tätig ist und die Bewohner immer an erste Stelle stellt. Christian Nerlich hielt eine Laudatio auf Kerstin Cohrs, die als Pflegekraft dienstlich und privat immer ein offenen Ohr für die Belange der ihr anvertrauten Menschen hat. André Lehnen ehrte seine Mutter Anita Lehnen und seine Tante Ingrid Geffers, die beide abwechselnd seit 1995 jeden Tag ihre Mutter, die im Rollstuhl sitzt, pflegen, obwohl sie selbst drei und zwei Kinder zu versorgen hatten. Zudem kümmert sich die Tante um ihren Mann, der einen Schlaganfall erlitten hat. Astrid Werny hielt eine Laudatio auf ihren 93 Jahre alten Onkel Josef Görtz, der die Pflege seiner Frau, die an Parkinson erkrankt ist, jahrelang übernommen hat und sich liebevoll um sie kümmert. Martina Boms richtete die Worte an ihre Mutter Andrea Kamphausen, die seit zehn Jahren ihre an Alzheimer erkrankte Mutter mit dem Pflegegrad fünf rund um die Uhr versorgt und nicht von ihrer Seite weicht. Rund um die Uhr Betreuung braucht auch der 24jährige Sohn von Ilona Penners, der an einem seltenen Gen-Defekt leidet und dem man eine kurze Lebenserwartung attestierte. Wie Freundin Gabriele Lorek betonte, habe sie ihm alles für ein normales Aufwachsen ermöglicht. Laudator Wolfgang Fischer stellte Ulrich J. Gerhards heraus, der selber an Parkinson erkrankt ist und sich mit viel Engagement für die Parkinson-Regionalgruppe als Leiter einsetzt und für die Betroffenen und Angehörigen da ist.

Schließlich ergriff Josef Aretz wieder das Wort, um von der Verleihung des Goldenen Pflegeherzens an Dr. Eckart von Hirschhausen für sein stetes Eintreten für die Pflegekräfte und pflegende Angehörige, die „Helden des Alltags“, seine Begleitung einer Pflegekraft der ambulanten Pflege sowie für seine Stiftung „Humor hilft heilen“ zu berichten. Vertreten wurde von Hirschhausen von Nuria Hansen, Mitarbeiterin der Stiftung und Klinikclown, die diese vorstellte. Anschließend sprach Dr. Eckart von Hirschhausen in einer Videobotschaft zu den Gästen, in der er für die Verleihung des Goldenen Pflegeherzens 2018 dankte und noch einmal unterstrich, dass die größte Gruppe im Gesundheitswesen die pflegenden Angehörigen sind. „Ich halte hier einen kleinen Schritt der Pflege in Händen.“ Damit richtete Aretz den Blick auf das Buch „Der Juchli“ und somit auf die 1933 geborene Schweizer Ordensschwester Liliane Juchli, die das Pflege-Lehrbuch begründete und nun von ihm mit dem Goldenen Pflegeherz geehrt wurde. Wie Aretz in seiner Laudatio herausstellte, habe die Schwester der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz die Entwicklung, Professionalisierung und Lehre der Pflege in den letzten vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts durch das Buch „Der Juchli“ tiefgreifend und nachhaltig beeinflusst. Ihr Hauptanliegen sei eine ganzheitliche Sicht der gepflegten Personen, die Ganzheit und Einheit von Körper, Seele und Geist des Menschen. Die Pflege umfasse nach ihrem Leitbild sowohl die Sorge für den Kranken als auch die Selbstsorge, betonte Aretz. „Wir sind stolz, dass sie das Pflegeherz entgegen nehmen.“ Für die Ehrung dankte Liliane Juchli, indem sie das Pflegeherz gleich stellte mit dem Wort Barmherzigkeit und zwar der persönlich und gelebten alltäglichen Barmherzigkeit, die ihre Größe zeige, in komplexen fast lebensbestimmenden Betreuungs-Situationen. „Das Denken und Handeln mit dem Herzen, das ist es, war wir heute würdigen. Das Pflegeherz dient in allem Tun und Handeln der Achtung der Würde des Menschen“, so Juchli. Es gehe darum, dem Hilfebedürftigen die Würde zu erhalten oder zurückzugeben. „Dem Mitmenschen Menschsein, ein großes Herz für andere haben – das ist es“, sagte Liliane Juchli. Dennoch dürfe man nicht die Sorge um sich selbst vergessen. Auch dafür stehe das Pflegeherz. „Dass sie dies alles in großer Hingabe und Treue tun, dafür danke ich Ihnen“, fuhr Juchli fort und schloss mit den Worten: „Meine Anerkennung und mein Dank kommen von Herzen, gleichsam von Pflegeherz zu Pflegeherz.“

INFO
Dem Verbund „Starke Partner – Pflegenetz“ im Kreis Heinsberg sind folgende Einrichtungen angeschlossen: Alten- und Pflegeheim Marienkloster in Dremmen, Altenheim St. Josef gGmbH Übach-Palenberg, Caritasverband für die Region Heinsberg, Katharina Kasper-Heim der ViaNobis GmbH in Gangelt, Lambertus gGmbH in Hückelhoven und St. Josef in Selfkant-Höngen, Waldenrath, Erkelenz, Heinsberg, Oberbruch und Wegberg.

BU: Die mit dem Pflegeherz Geehrten, darunter Ordensschwester Liliane Juchli und in Vertretung von Dr. Eckart von Hirschhausen Nuria Hansen, mit den Laudatoren und Vertretern des Verbunds „Starke Partner – Pflegenetz im Kreis Heinsberg“. Foto: Eva Weingärtner