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Beratungsstelle für Suchtfragen wieder für Klienten geöffnet – Vorstellung des Jahresberichts

„Ich bin froh, dass wir seit dem 27. April für die Besucher unserer Beratungsstelle wieder geöffnet sind.“ Die Erleichterung darüber war Marlies Trapp, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen in Hückelhoven in Trägerschaft des Caritasverbandes für die Region Heinsberg in Kooperation mit dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Jülich, trotz Maskenschutz anzusehen. Sie stellte die aktuelle Situation an den Anfang der Vorstellung des Jahresberichts 2019, um auf einige Veränderungen in Zeiten des Corona-Virus hinzuweisen.

Seit Mitte März bis zum 24. April war ihren Ausführungen zufolge geschlossen, was zur Folge hatte, dass zwar die Klienten die Beratungsstelle nicht aufsuchen konnten, aber intensiv telefonisch regelmäßig betreut wurden. „Dies war uns sehr wichtig, um die Bindungen aufrecht zu erhalten und die Klienten in ihren Themen aufzufangen“, so Trapp. Seit dem 27. April würden wieder Besucher in der Beratungsstelle begrüßt, wobei Hygienestandards beachtet werden müssen wie Händedesinfektion und Mund- und Nasenschutz, den die Berater und Klienten tragen müssen. „Wer keine Maske hat, bekommt hier eine“, erklärte Marlies Trapp. Eine Neuerung bringe die Situation mit sich, was den Erstzugang zu den Offenen Sprechstunden dienstags von 16 bis 19 Uhr und donnerstags von 9 bis 12 Uhr betreffe. Dieser sei nur über eine telefonische Anmeldung möglich. „Wir wollen Ansammlungen von Menschen in unseren Räumen vermeiden.“

Dass Beratungsgespräche einen wesentlichen Bestandteil der Arbeit der Beratungsstelle ausmachen, geht aus dem Jahresbericht 2019 hervor. 587 Personen nahmen im Jahr 2019 Beratungsgespräche in Anspruch. „Im Vergleich zu den Jahren 2018 mit 610 Personen und 2017 mit 607 Personen waren dies unwesentlich weniger“, stellte Marlies Trapp fest. „Die Zahl der Klienten ist somit relativ konstant. Jedoch ist es uns gelungen, die Klienten mehr an uns zu binden“, so Trapp. Denn von den 587 Klienten hätten 396 mehrere Beratungsgespräche in Anspruch genommen. Und das vor dem Hintergrund, dass die Beratungsstelle im letzten Jahr wegen Langzeiterkrankungen weniger Mitarbeiter hatte. Die Geschlechterverteilung sei mit zwei Drittel Männern und ein Drittel Frauen unverändert gegenüber den Vorjahren. Aufgesucht wurde die Beratungsstelle von 463 Menschen, die selbst mit Alkohol, Drogen, Nikotin, Medikamenten, pathologischen Spielen oder dem Essverhalten Probleme hatten und 124 Angehörigen. „Aktuell haben wir für diese Bezugspersonen neben den Einzelgesprächen eine Angehörigengruppe, die sich an Frauen und Männer richtet, und deren Partner eine Suchtmittelproblematik haben“, erklärte Marlies Trapp. Die meisten Klienten (196) kämen nach wie vor wegen einer Alkoholproblematik. „Das Trinken von Alkohol ist in unserer Gesellschaft verbreitet. Doch schnell kann aus dem Genussmittel ein Suchtmittel werden“, weiß Trapp. Die zweite größere Gruppe, die in die Beratung kämen, seien Cannabiskonsumenten. „Mit 95 Klienten ist dies die größte Gruppe, die wegen illegaler Drogen zu uns kommt“, bemerkte die Leiterin. Zugenommen hätten die Kli-enten, die Stimulanzien konsumieren würden. Waren es 2018 noch 50 Klienten, so stieg die Zahl im Jahr 2019 auf 61 Klienten. Marlies Trapp führte den Anstieg um 20 Prozent darauf zurück, dass viele Menschen immer mehr Aufgaben zu bewältigen hätten und der Druck größer werde. Besonders die Zahl der alleinerziehenden Mütter, die Amphetamine konsumieren würden, da sie sich überfordert fühlen, sei relativ hoch, stellte sie fest. „Für die Beziehung zwischen Mutter und Kind ist das eine Katastrophe.“

Marlies Trapp informierte zudem, dass es nach einer stationären Rehabilitation für die Klienten seit 2019 auch standortnah eine neu gegründete Nachsorgegruppe in der Beratungsstelle gebe. Der aktuellen Situation durch Corona sei es vermutlich geschuldet, dass derzeit nur drei Klienten kommen würden, vermutete sie. Denn die Suchtkliniken haben längere Zeit keine Patienten neu aufgenommen, so dass auch weniger Entlassungen erfolgen.

Zudem berichtete sie davon, dass die Beratungsstelle im Frühjahr 2019 an dem Forschungsprojekt „Shift +“ der Katholischen Hochschule in Köln beteiligt war. Dabei handelt es sich um ein Trainingsangebot für Mütter und Väter, die kleine Kinder haben und illegale Drogen konsumierten, nun aber abstinent leben. „In dem Elterntraining ging es darum, die Auswirkungen des Drogenkonsums auf die Beziehung zu den Kindern zu erarbeiten und die Ressourcen der Elternteile bezüglich Erziehung, Konsequenz und Regeln zu stärken“, so Marlies Trapp. Insgesamt hätten fünf Mütter teilgenommen. Alle Teilnehmerinnen hätten eine positive Rückmeldung gegeben und den Wunsch geäußert, die Gruppe fortzuführen, sagte Trapp. Dank einer Spende durch den Lions Club und den Forschungsgeldern der Hochschule habe man das Angebot kostenfrei anbieten können. „Sollte die Hochschule das Projekt positiv sach- und fachgerecht bewerten, dann werde ich mich an den Kreis wenden, um möglichst ein reguläres Angebot daraus zu machen“, erklärte Marlies Trapp. Schließlich verwies sie darauf, dass in der Ambulanten Medizinischen Rehabilitation Sucht (ARS) derzeit noch Plätze frei sind. „Dies ist gerade für diejenigen eine Alternative, die wegen der möglichen Ansteckung mit dem Corona Virus Angst davor haben, in eine Klinik zur stationären Behandlung wegen einer Suchterkrankung zu gehen“, wies sie hin. Und der Gedanke an die Pandemie veranlasste sie zu dem Appell an alle politischen Entscheider: „Vergesst die Suchtkranken nicht!“

Info:
Kontakt: Beratungsstelle für Suchtfragen im Haus der Caritas, Dinstühlerstraße 29 in Hückelhoven, Telefon 02433-98145200, Fax 02433/98145209, E-Mail: sucht-fragen@caritas-hs.de, Internet: www.caritas-hs.de.

BU: Marlies Trapp, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen, stellte den Jahresbericht 2019 vor und verwies auf die Hygienestandards wie Händedes-infektion und Maske.