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Aktuelles

13. Hückelhovener Suchtforum zum Thema „Elternschaft und Sucht – ein Tabu?“ – Mehr Teilnehmer als Anmeldungen

  

Die meisten suchtkranken Mütter und Väter wollen gute Eltern sein. Dies wurde immer wieder beim 13. Hückelhovener Suchtforum zum Thema „Elternschaft und Sucht – ein Tabu?“ herausgestellt. Welche Unterstützungen und Angebote es gibt kam dabei zur Sprache, ebenso wie der Wunsch bzw. die Forderung nach einer Finanzierung bzw. Regelförderung solcher Angebote statt einer Projektförderung.

Das Thema der Fachtagung, veranstaltet von der Beratungsstelle für Suchtfragen in Trägerschaft des Caritasverbandes für die Region Heinsberg e.V. in Kooperation mit dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Jülich, stieß auf ein großes Interesse seitens der Teilnehmer. Anstatt der angemeldeten 111 Interessenten, darunter Vertreter der Jugendhilfe, Jugendämter, Eingliederungshilfe, von ambulanten und stationären Suchtstationen sowie Schulsozialarbeiter und Ärzte, kamen 125 ins evangelische Gemeindezentrum in Hückelhoven. Ein erstes Grußwort sprach die stellvertretende Bürgermeisterin Andrea Axer. Sie wies darauf hin, dass Sucht in allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen anzutreffen ist und Auswirkungen auf die Angehörigen hat. Mit dem Thema habe man erneut eine Thematik von gesellschaftlicher Relevanz gefunden, begrüßte Marlies Trapp, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen. Hätten bei den Suchtforen im Jahr 2007 und 2012 die Kinder im Vordergrund gestanden, so liege nun der Schwerpunkt auf der Elternschaft von suchtkranken Müttern und Väter, erklärte sie. Eine Abhängigkeitserkrankung habe Auswirkung auf die eigene Persönlichkeit und Ausübung der Elternschaft.

Damit übergab sie das Wort an die erste Referentin Dr. Brigitta Lökenhoff, Soziologin und Referentin für die Landeskoordinierungsstelle Frauen und Sucht NRW, Bella Donna, Essen. Im Vordergrund ihres Vortrags stand die Bedeutung von Ressourcenorientierung vor dem Hintergrund von Suchterkrankung und Elternschaft sowie Formen der Unterstützung von Mütter und Väter sowie Kindern. Sie sprach davon, positive Aspekte der Eltern-Kind-Beziehung zu erkennen und zu stärken, realistische Erwartungen und Feinfühligkeit zu fördern sowie Grundlagenwissen zu vermitteln. Wie ressourcenorientierte Arbeit mit suchtbelasteten Familien ganz konkret aussehen kann, verdeutliche Dr. Lökenhoff anhand eines dreijährigen Projekts bei Bella Donna. Im Zentrum steht eine präventive frühe Förderung der Bindungs- und Erziehungskompetenz drogenabhängiger Mütter, die oftmals zusätzlich unter somatischen und psychischen Erkrankungen leiden, eine traumatische Biographie und traumabedingte Bindungsstörungen aufweisen. Die Ausgangslage sei, so die Referentin, geprägt von einer schwierigen Erreichbarkeit der Zielgruppe. Projektziele sind eine psycho-soziale Stabilisierung und Stärkung der Motivation zum Ausstieg aus der Drogenbindung, Hilfestellung bei der Etablierung sozialer Hilfen für sich und das Kind, Vermittlung von Grundlagenwissen zur kindlichen Entwicklung, Stärkung der Selbstsicherheit und des Selbstbewusstseins sowie die Bindung der Mütter und Kinder an die Einrichtung.

Den Blick auf die Väter dagegen lenkte Dr. Georg Merker, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Ärztlicher Leiter der Fachklinik Meckenheim, einer Einrichtung zur medizinischen Rehabilitation, mit seinem Vortrag „Verantwortung übernehmen?! Süchtige Männer als Väter“. Er stellte dabei heraus, dass Themen wie Umgangsrechtfragen sowie Scham- und Schuldgefühle bezüglich der nicht gelebten Rolle als Vater die Patienten bewegt und ein hoher Unterstützungsbedarf bezüglich der Verantwortungsübernahme im Rahmen der Vaterschaft besteht. „Wir versuchen zu vermitteln, dass das Kindeswohl höher ist als das primäre Bedürfnis des Patienten“, so Dr. Merker. Er stellte dar, dass Traumatisierungen in der Kindheit und Jugend (durch langjährige emotionale oder körperliche Vernachlässigung, emotionale, körperliche und sexuelle Gewalt), aus denen oft die Sucht als Symptom folgt, Auswirkungen auf das eigene Erziehungsverhalten haben sowie jede Form der zwischenmenschlichen Beziehungen beeinflussen.

Welche besonderen Herausforderungen es in der stationären Suchttherapie gibt, wenn die Mutter ihr Kind mit in die Klinik bringt, stellte Ute Danicke-Biskup, Diplom-Pädagogin, systemische Familientherapeutin und Suchttherapeutin von der Salus Klinik Hürth-Fachklinik für Frauen, vor. Sie berichtete von den Angeboten für Frauen mit Begleitkindern – nicht Behandlungskindern, was das Ziel ist – wie dem klinikeigenen Kinderhaus, einer klinikinternen Beschulung, einer kinderspezifischen Ausstattung der Mutter-Kind-Zimmer, Kooperationen mit dem Kinderarzt und Kinderpsychotherapeutin, Familientherapie und Elternkonferenz. Der Grundsatz der Arbeit ist, Familiensysteme zu erhalten und zusammenzuführen, die Patientinnen dabei zu unterstützen, sich in ihrer gesellschaftlichen Rolle (Mutterrolle, Erwerbsrolle) zu entwickeln. Als Herausforderungen in der Behandlung sprach sie von dem Erhalt der Tagesstruktur für Mutter und Kind, gemeinsamen Mahlzeiten, unterschiedlich aufeinandertreffenden Erziehungsstilen und das Zusammentreffen von Müttern mit und ohne Begleitkindern. Den Referaten folgte eine Podiumsdiskussion, an der auch Caroline Forscheln, Leiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes der Stadt Hückelhoven, sowie Stella Ottenburger, Leiterin der ambulanten Caritas-Jugendhilfe, sowie ihre Kollegin Bernadette Lauenroth teilnahmen. Die rege Teilnahme zeigte auch hier, dass das Thema auf großes Interesse stieß.

Info

Die Vorträge der Referenten des 13. Hückelhovener Suchtforums können auf der Homepage der Beratungsstelle für Suchtfragen unter www.caritas-heinsberg.de/gefaehrdete-behinderte-menschen/beratungsstelle-fuer-suchtfragen/ als PDF abgerufen werden.

BU: Marlies Trapp, Leiterin der Beratungsstelle für Suchtfragen, mit den Referenten Ute Danicke-Biskup, Dr. Georg Merker und Dr. Brigitta Lökenhoff sowie Andrea Axer, stellvertretende Bürgermeisterin (v.l.).