Podiumsdiskussion des Caritasverbandes und der AWO zum Thema „Gute OGS darf keine Glückssache sein!“

– Teilnehmer fordern verbesserte Rahmenbedingungen und Qualität

Die Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege NRW hat es sich auf die Fahne geschrieben, die Rahmenbedingungen, Qualität und Standards im Offenen Ganztag entscheidend zu verbessern. Am 12. Juli sollen Forderungen der Landesregierung in Düsseldorf übergeben werden. Der Caritasverband für die Region Heinsberg und die AWO Kreisverband Heinsberg als Träger der OGS luden deshalb zu einer Podiumsdiskussion in das AWO-Altenzentrum in Heinsberg ein, um über die Forderungen, die Grundlage einer landesweiten Kampagne zur Verbesserung der Ganztagsbetreuung sind, zu informieren und die Kampagne „Gute OGS darf keine Glückssache sein!“ zu unterstützen.

„Wir wollen heute ins Gespräch kommen über die Situation im Offenen Ganztag“, erklärte Ulla Sevenich-Mattar, Kinder- und Jugendhilfe AWO Kreisverband. Zum Einstieg in das Thema gab es eine Powerpointpräsentation mit einer kurzen Zusammenfassung der Forderungen. Gefordert wird, den Offenen Ganztag zukunftssicher zu finanzieren, Verträge der Mitarbeiter langfristig zu gestalten und deshalb keine Ausschreibungen mehr durchzuführen sowie verbindliche gesetzliche Regeln und Standards zu schaffen, um die Rahmenbedingungen festzulegen. In der Diskussion, an der an sechs Stehtischen Vertreter der Schulträger, Politiker, Träger der freien Jugendhilfe und OGS Kooperationspartner, OGS-Leitungen und –Koordinatoren, Schulleitungen und Eltern unter der Moderation von Norbert Schuldei teilnahmen, wurden die einzelnen Forderungen konkretisiert. Auf die Problematik der Ausschreibung ging Karl-Ernst Dahmen, Leiter Abteilung Familie, Kinder und Jugend des Caritasverbandes, ein. Er unterstrich, dass Verträge mit den Mitarbeitern langfristig gestaltet werden müssen. „Ansonsten müssen wir uns alle drei oder fünf Jahr neu bewerben. Wenn wir nicht gewählt werden, sind wir weg, was bedeutet, dass die Eltern und Kinder sich an neue Mitarbeiter gewöhnen müssen“, betonte er. Zudem müsse man, um die Ausschreibung nicht an billige Anbieter zu verlieren, die Kosten so gering wie möglich halten. „Unsere Motivation Mitarbeiter fortzubilden müsste gegen Null gehen“, sagte er. Dem sei nicht so.

Im Zuge dessen sprach Ulla Sevenich-Mattar davon, dass es der AWO anders als dem Caritasverband nicht möglich sei, die Mitarbeiter der OGS nach Tarif zu bezahlen. „Die Qualität der OGS ist in weiten Bereichen zu vergleichen mit der Arbeit in Kindergärten. Wir haben eine hohe Qualität und stecken viel Idealismus hinein. Würden wir nach Tarif bezahlen, so würden die Gruppen größer werden“, so Sevenich-Mattar. Der Missstand ergibt sich aus den freiwilligen Leistungen der einzelnen Kommunen, dessen Höhe vom politischen Willen und der Finanzkraft der Kommune abhängt. Steckt eine Kommune im Haushaltssicherungskonzept wie in die Stadt Wegberg, wo die AWO Träger der OGS ist, kann der kommunale Pflichtanteil pauschal nicht erhöht werden. Darauf wies Hans-Jürgen Oehlschläger, Jugendamtsleiter Kreis Heinsberg, hin. Die Folge der unsicheren Finanzierung ist, dass viele Mitarbeiter als Teilzeitkräfte mit niedriger Stundenzahl arbeiten und es gering qualifiziertes Personal gibt. Wünschenswert sei, so wurde allgemein betont, mehr ausgebildete pädagogische Fachkräfte zu beschäftigen und einen verbindlichen Personalschlüssel pro Gruppe festzulegen. Dies heiße nicht, dass nicht auch weitere pädagogische und nicht-pädagogische Kräfte in der OGS tätig sein könnten. Angesprochen wurde zudem, dass für eine qualitativ gute OGS eine gute Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Schule, OGS und Kinder- und Jugendhilfe wichtig ist. Dazu müssten die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden, erklärten die Diskussionsteilnehmer. OGS sei ein Bildungsangebot, das Standards brauche, zu denen auch flexible Zeiten wie beim Kindergarten und entsprechende Räume zählen müssen, hieß es abschließend. Diskussionsteilnehmer CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Schnelle sagte zu, alle Forderungen mitzunehmen und sich dafür einzusetzen, dass einiges davon umgesetzt wird.

Info
An der Podiumsdiskussion nahmen teil für die Schulträger Hans-Jürgen Oehlschläger, Jugendamtsleiter Kreis Heinsberg, Gerd Pint, Fachbereichsleiter Bildung und Soziales Stadt Wegberg, und Helmut Holländer, Erster Beigeordneter der Stadt Hückelhoven, für die Politik Jörg van den Dolder, Bündnis 90/Die Grünen Kreis Heinsberg, Andrea Reh, SPD Kreis Heinsberg, und CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Schnelle, als Träger der freien Jugendhilfe und OGS Kooperationspartner Karl-Ernst Dahmen, Leiter Abteilung Familie, Kinder und Jugend des Caritasverbandes für die Region Heinsberg, Angela Weingartz, OGS Koordinatorin des Caritasverbandes, Sabine Floßdorf, Referentin Kinder- und Jugendhilfe AWO Bezirksverband Mittelrhein, und Ulla Sevenich-Mattar, Kinder- und Jugendhilfe AWO Kreisverband Heinsberg, für die OGS Simone Mohren, OGS Leitung Doveren, Andrea Clemens, OGS Leitung Peter-Jordan-Schule Hückelhoven, Astrid Wolters, OGS Koordinatorin Lindenschule Boscheln und Eva Küpper, OGS Koordinatorin Erich-Kästner-Schule Wegberg, für die Schulleitungen Hans Hilgers, Schulleitung Peter-Jordan-Schule Hückelhoven, und Gisela Unland, Schulleitung KGS Arsbeck sowie für die Eltern Margret Töpfer, Dirk Siera, Schulsozialarbeiter AWO Kreis Heinsberg, und Kerstin Abels.

BU: Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion im AWO-Altenzentrum in Heinsberg.

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